Zertifikatskurs Nr. 120/2020

Berufsbegleitende Weiterqualifizierung Traumapädagog_in und traumazentrierte Fachberater_in

 

 

Zielgruppe:
Personen mit pädagogischer Grundausbildung oder Ähnlichem, mindestens zwei- bis dreijährige Berufserfahrung, hoher Bereitschaft zur Selbsterfahrung bzw. Selbstreflexion, aktueller beruflicher Tätigkeit in Bereichen der Kinder- und Jugendhilfe. Ausnahmen sind in begründeten Fällen möglich.


Ziele:

Lebensgeschichtlich belastete Kinder und Jugendliche in all ihrer Diversität stellen besondere Herausforderungen an Erziehungs- und Bildungseinrichtungen. Insbesondere Kinder und Jugendliche, die in stationären Jugendhilfeangeboten betreut werden, gehören der Personengruppe an, die innerhalb unserer Gesellschaft am häufigsten extremen psychosozialen Belastungen ausgesetzt waren.
Sie werden nur schwer mit herkömmlicher pädagogischer Praxis erreicht. Die bisherige Aufspaltung - Bewältigung von traumatischen Ereignissen geschieht in der Therapie, die Pädagogik ist Alltagsbewältigung - wird ihnen nicht gerecht. Eine Vermeidung der Traumafolgen ist in den Erziehungs- und Bildungseinrichtungen ohnehin nicht möglich, negiert die vielen Möglichkeiten der Pädagogik und verzögert eine umfassendere Korrektur von behindernden traumaspezifischen Einstellungen und Erwartungen.
Die Traumapädagogik bietet handlungsrelevante Erkenntnisse und methodische Überlegungen, die eine zielgerichtete Unterstützung ermöglichen. Sie bezieht sich auf pädagogische und interdisziplinäre Erkenntnisse, z. B. der Psychotraumatologie, Psychoanalyse, Neurophysiologie sowie der Bindungs-, Gender- und Migrationsforschung. Sie stellt Erklärungswissen bereit, aus dem heraus traumapädagogische Konzepte entwickelt werden konnten. Die Konzepte und Methoden werden in der Weiterqualifizierung vermittelt. Es braucht ein Verständnis für die Anpassungsstrategien der Kinder und Jugendlichen, das alle Vielfaltsdimensionen berücksichtigt, sowie einen Umgang mit den spezifischen Belastungen der Pädagog_innen. Grundlage hierfür ist die Erweiterung des theoretischen Verständnisses über Traumatisierungen von Jugendlichen. Ein weiteres Ziel dieser Zusatzqualifizierung ist die Entwicklung von Flexibilität, Sensibilität, Souveränität und Mut im professionellen Herangehen an Traumata. Ein hoher Praxisbezug wird u. a. dadurch hergestellt, dass die Erfahrungen der Pädagog_innen mit den ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen ein zentraler Bestandteil der Weiterbildung sind.
Des Weiteren bedarf es Wissen und Methoden aus dem Bereich traumazentrierte Fachberatung, um beispielsweise in der Begleitung und Beratung von Eltern und/oder anderen Angehörigen Sicherheit, Möglichkeiten zur Verantwortungsübernahme und Neugestaltung von Beziehung zu ermöglichen.

Die Qualifizierung zu Traumapädagog_innen und traumazentrierten Fachberater_innen ist eine pädagogische, keine therapeutische Ausbildung. Die Übernahme von Eigenverantwortung ist Voraussetzung für die Teilnahme.


Arbeitsformen:

Folgende Methoden finden während der Weiterbildung Anwendung
• Vermittlung theoretischer Grundlagen durch Referate
• Textstudium
• Einzel-, Kleingruppen- und Plenumsarbeit
• Fallsupervisionen mit verschiedenen Methoden wie Genogramm, Zeitstrahl, Aufstellung
• Einüben von Entspannungs- und Imaginationsverfahren
• Rollenspiele
• Unterstützte Eigenreflexion und Selbsterfahrung
• Übungen zu den Bereichen Selbstwahrnehmung, Selbstregulation und Bindungsverhalten

 

Die acht Module zu je drei Tagen sind wie folgt aufgebaut:
1. Modul Einführung:
(18.05.-20.05.2020)

Einführung in die Psychotraumatologie
Einführung in die Traumapädagogik
Spezifische Belastungen in der Arbeit mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen
Traumapädagogisches Fallverstehen
Übungen

2. Modul Traumatische Übertragungen:
(31.08.-02.09.2020)

Reflexion Modul 1
Theorie der Übertragung und Gegenreaktion
Methodentraining zu traumatischen Übertragungen und Gegenreaktionen
Fallsupervisionen
Übungen: Entspannungsübungen, Imaginationsübungen, Übungen zur Stressabfuhr

3. Modul Trauma und Bindung:
(04.11.-06.11.2020)

Reflexion Modul 2
Einführung in die Bindungstheorie
Arbeitsmaterialien zur Bindungsexploration
Selbstreflexion
Pädagogische Aufgaben zur Bindung
Fallsupervisionen
Übungen

4. Modul Pädagogik der Selbstbemächtigung:
(03.03.-05.03.2021)

Reflexion Modul 3
Theoretische Grundlagen zur Selbstbemächtigung
Selbstregulation durch das Kennenlernen neurophysiologischer Zusammenhänge
Methodentraining zur Selbstbemächtigung traumatisierter Kinder und Jugendlicher
Fallsupervisionen
Übungen

5. Modul Gruppe und Trauma:
(06.07.-08.07.2021)

Reflexion Modul 4
Traumasymptomatik und Gruppendynamik
Traumapädagogische Gruppenarbeit
Fallsupervisionen
Übungen

6. Modul Traumapädagogik und Dissoziation, Traumatherapeutische Verfahren:
(17.11.-19.11.2021)
Reflexion Modul 5
Einführung in die Theorie der Dissoziation
Umgang mit diagnostischem Material
Die traumapädagogische Unterstützung
Traumatherapie
Fallsupervisionen
Themaspezifische Übungen

7. Modul Elternarbeit und transgenerationale Traumaweitergabe:
(16.02.-18.02.2022)

Reflexion Modul 6
Erkenntnisse der Forschung zur transgenerationalen Traumaweitergabe
Eigenreflexion: Haltung zu den eigenen Eltern und/oder der eigenen Elternrolle
Handlungsoptionen im beruflichen Kontext
Aspekte der Elternarbeit

8. Modul Kolloquium:
(22.06.-24.06.2022)

Präsentationen der Praxisprojekte
gemeinsame Auswertung der Reihe
Abschiednehmen

Abschluss der Weiterbildung:
• Regelmäßige Teilnahme an allen Modulen, ersatzweise Teilnahme an einem inhaltsgleichen Modul/Seminar nach Absprache mit der Leitung der Weiterbildung
• Umsetzung der erarbeiteten Haltung und der erlernten Methoden entsprechend der in der eigenen beruflichen Praxis gegebenen Möglichkeiten mit Rückkopplung in die Module
• Schriftliche Falldarstellung und mindestens eine Fallsupervision aus der eigenen Praxis
• Erfolgreiche Teilnahme am Abschlusskolloquium mit der Präsentation eines Praxisprojektes, durch das erkennbar wird, wie die erworbenen Kenntnisse und vor allem die Haltung sich im pädagogischen und psychosozialen Alltag umsetzen.
 
Das Curriculum Traumapädagogik/traumazentrierte Fachberatung der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie e.V. und dem Fachverband Traumapädagogik e.V. stellt ein Y-Modell dar, das sich aus einem Grundstock sowie einem Arm traumazentrierte Fachberatung und einem Arm Traumapädagogik zusammensetzt.
Die Weiterbildung beinhaltet alle drei Teile und schließt mit dem Doppelabschluss in Traumapädagogik und traumazentrierter Fachberatung ab.
Die Voraussetzungen zum Zertifikatserwerb und die Abschlussvoraussetzungen entsprechen den Vorgaben des Curriculum der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie e.V. und dem Fachverband Traumapädagogik e.V.

 

Zeitumfang und Leistungsnachweise:
206 Unterrichtsstunden zzgl. 8 Unterrichtsstunden Abschlusscolloquium innerhalb der acht
Module zu drei Tagen. Die zu Beginn sich bildenden Regionalgruppen treffen sich selbstorganisiert zu 30 UStd. Weitere Zeit ist für das Selbststudium und eine Projektarbeit sowie die Mitschrift an der Seminarzeitung einzuplanen.

Referentin: Tanja Kessler


Verantwortlich: Sabine Kriechhammer-Yağmur

Die Zahl der Teilnehmenden ist auf 18 begrenzt.

Termine:
Modul 1: 18.05.-20.05.2020                               Modul 5: 06.07.-08.07.2021
Modul 2: 31.08.-02.09.2020                               Modul 6: 17.11.-19.11.2021  
Modul 3: 04.11.-06.11.2020                               Modul 7: 16.02.-18.02.2022
Modul 4: 03.03.-05.03.2021                               Modul 8: 22.06.-24.06.2022

Zeiten: jeweils 11:00 – 18:00 Uhr; 9:00 – 17:30 Uhr; 9:00 – 15.30 Uhr
An allen Veranstaltungstagen gibt es zwei je 15-minütige Kaffeepausen sowie eine Mittagspause von 1 Stunde.

Veranstaltungsort: hoffmanns höfe, Heinrich-Hoffmann-Str.3, 60528 Frankfurt am Main

Teilnahmebeitrag: EUR 2.965,00; Tagesverpflegung EUR 695,00 (Heiß- und Kaltgetränke, Mittagessen, Snack)
Die Veranstaltung kann nur mit Tagesverpflegung gebucht werden.
Der Teilnahmebeitrag kann auf Wunsch in Raten oder in einmaliger Zahlung entrichtet werden. Bei einmaliger Zahlung gewähren wir 2% Skonto.


Auf unserer Homepage www.pb-paritaet.de können Sie sich über Bildungsförderungen (Bildungsscheck, Bildungsprämie, Bildungsgutschein u.a.) informieren.

 

Übernachtung:
Es besteht die Möglichkeit, im Seminarhaus zu übernachten. Bei Interesse buchen Sie bitte Ihre Übernachtung mit Frühstück direkt bei der Tagungsstätte „hoffmanns höfe“ (siehe: Allgemeine Geschäftsbedienung). Auch Abendessen kann individuell gebucht werden. E-Mail: info@hoffmanns-hoefe.de


Kündigungsregelungen, Absagen:
Die Anmeldung ist verbindlich für alle 6 Module.
Eine Absage bedarf der Schriftform. Bei einem Rücktritt von 6 Wochen vor Beginn der Weiterbildung erheben wir eine Ausfallgebühr von 80% des Teilnahmebeitrags. Bei einem Rücktritt von 3 Wochen vor Beginn, bzw. nicht stornierter Buchung, wird der volle Teilnahmebeitrag fällig. Bei einem Ausstieg aus der laufenden Kursreihe, oder Absagen von einzelnen Kursbausteinen fällt der noch ausstehende gesamte Teilnahmebeitrag an. Wird die zur Durchführung eines Kurses benötigte Anzahl der Anmeldungen nicht erreicht, behalten wir uns vor, den Kurs abzusagen. In diesem Falle werden Sie von uns schriftlich benachrichtigt und der bereits bezahlte Teilnahmebeitrag wird in voller Höhe zurück erstattet. Weitergehende Ansprüche bestehen nicht.

Wir müssen uns vorbehalten Veranstaltungen zeitlich zu verlegen bzw. abzusagen. In Ausnahmefällen kann auch ein Wechsel des Veranstaltungsortes und des/der Dozenten/Dozentin möglich sein.


Anmeldeschluss:  01.02.2020      


Kontakt:
Paritätisches Bildungswerk Bundesverband e.V.
Heinrich-Hoffmann-Straße 3
60528 Frankfurt am Main
phone 069/6706-219, Fax: 069/6706-203
mail labude@pb-paritaet.de

 

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