Seminar Nr. 324/2019

Weiterbildung zur Dialogprozess-Begleitung
nach dem Konzept ELTERN STÄRKEN - Ermutigung zum Dialog

 

„Dialog heißt nicht bloß Auskunft suchen von unten und Auskunft geben von oben,
auch nicht bloß Fragen und Antworten hinüber und herüber geben,
sondern echtes Wechselgespräch,
in das der „Lehrer“ mit seiner ganzen Person
unmittelbar und unbefangen eintreten muss.“
Martin Buber

 



Zielgruppe:
Mitarbeiter_innen der Familienbildung und –beratung, Fachkräfte, die im sozialen und therapeutischen Kontext mit Erwachsenen, Eltern, Jugendlichen oder Kindern tätig sind; empfohlen auch für Kursleiter_innen der Elternkurse des Kinderschutzbundes (DKSB) „Starke Eltern – starke Kinder®“


 

Grundlagen und Ziele der Fortbildung:
Die Dialogische Haltung stellt die einzigartige Existenz eines jeden Menschen in den Mittelpunkt. Sie betont den Respekt vor der Unterschiedlichkeit, vor unterschiedlichen Lebenswegen, vor dem Tempo individueller Entfaltung und vor der Unvollkommenheit menschlicher Existenz. Dieser Einstellung liegt die Annahme zugrunde, dass jede und jeder durch den Dialog ermutigt werden kann, Vertrauen in die eigene Urteilsfähigkeit und das Gespür für den eigenen „richtigen“ Weg wieder zu finden. Das macht die Menschen langfristig unabhängiger vom Urteil so genannter Expert_innen und deren Wissen und es stärkt sie.

 

Diejenigen, die sich auf den Dialog einlassen, erfahren Wertschätzung und Anerkennung, sie erleben, was es heißt, gehört zu werden und sich Gehör zu verschaffen. Ohne demperfekten Ideal nachzueifern, das es im Leben nicht geben kann, werden sie ermutigt, ihr eigenes Ideal zu finden, das sich wandeln und entwickeln  darf. Die Verantwortung für ihren individuellen »Lernzuwachs« bzw. »-rückschritt« trägt jeder_r für sich.

 

Dialog ist eine Form, die eigene Achtsamkeit (wieder) zu entdecken und zu verfeinern. Achtsamkeit schult auch die Wahrnehmung für die Augenblicke des Staunens über das Wunderbare, aber auch das Komische und das Andere bzw. Fremde im Zusammenleben zwischen Erwachsenen und Kindern. Für das Leben gibt es kein Rezept. Das Zusammenleben mit Kindern hat etwas mit Experimentieren zu tun. Es ist ein gemeinsamer Lebens- und Entwicklungsweg. Im Dialog geht es nicht darum, was ich anderen Menschen vermittle oder beibringe, sondern wie ich mit ihnen in Beziehung trete. Im Dialog soll niemand umerzogen oder durch Training dazu gebracht werden, bestimmte Verhaltensweisen abzulegen und sich andere anzueignen. Unter sensibler Dialogbegleitung geschieht gegenseitige Unterstützung ohne Belehrung. Die Philosophie, die dahinter steckt ist, dass niemand – auch nicht die Dialogbegleitung – weiß, welcher Schritt gerade in diesem oder jenem Augenblick in der jeweiligen Familie der richtige ist.

 

Als professionelle Pädagog_innen haben die meisten von uns – oft über Jahrzehnte – eine andere Rolle im pädagogischen Prozess eingenommen. Dem entsprechend steht im Mittelpunkt der Ausbildung für Dialogbegleiter_innen, in der Haltung des radikalen Respekts die Achtsamkeit sich selbst und den Eltern und Kindern gegenüber zu „schärfen“ sowie sich mit den eingefleischten Verhaltensmustern kritisch auseinander zu setzen. Ziel ist die Entwicklung einer dialogischen Präsenz.

 

Die hier beschriebene dialogische Haltung erzielt ihre beste Wirkung dadurch, dass sie von den jeweiligen Dialogbegleitern_innen auch verkörpert oder gelebt wird. Unsere innere Haltung zeigt sich nach außen durch unser Verhalten, ist aber auch Ausdruck unseres Wesens. Sie ist Teil unserer Persönlichkeit und wird von der Geburt an durch „mitgebrachte“ Persönlichkeitsmerkmale und durch äußere Einflussfaktoren (u. a. Sozialisation, Ausbildung, Professionalität) herausgebildet. Die Modifizierung unserer Haltung kann in der Regel nicht allein auf kognitive Weise geschehen.

 

Die Elemente der Fortbildung basieren auf Selbsterfahrung, Biographiearbeit und einer Sensibilisierung für die eigenen Wahrnehmungsmodelle, Urteile und Bewertungen sowie auf der Vermittlung der Theoriehintergründe. Folgende Inhalte, Fragestellungen und Aufgaben sind Gegenstand der Weiterbildung. Aufgrund von prozessorientiertem Arbeiten handelt es sich hier nicht um einen chronologische Abfolge.

 

Elemente der Fortbildung:

            Im Dialog sein – Dialogisches Lernen
            Kernfähigkeiten für den Dialog (Grundlagen)
            Auseinandersetzung mit dem eigenen Menschenbild
            Dialogphilosophie von Martin Buber und David Bohm

            Konzept der Salutogenese
            Erkennen und Reflektieren der eigenen Stärken und Schwächen
            Auf der Suche nach Potenzialen / „goldene Brille“

            Fünf mögliche Aspekte unseres Seins in lebendigen Prozessen
            Ganzheitliches Arbeiten zwischen Erweiterung des Wissensspektrums,
            Beziehung und Begegnung,
            Auseinandersetzung mit Selbstbild und Biografie
            sowie der Spiritualität und Sinnorientierung

            Vertiefung der Kernfähigkeiten für den Dialog
            Worin besteht die Qualität einer Begegnung?
            Erkennen individueller Wahrnehmungsmodelle

            Einen „Container“ für den Dialog schaffen
            Die Kunst, Dialog zu ermöglichen und zu halten
      Grundsatzfragen der Dialogischen Haltung und der Dialogbegleitung
      Das “AHLMOZ- Prinzip“

      Experimentieren mit unterschiedlichen Einstiegshilfen und Übungen

Planung und Durchführung eines eigenen Dialogprojektes, Erstellung einer  schriftlichen Abschlussarbeit mit Reflexion der dialogischen Haltung und Dokumentation des Projektes

  

Arbeitsformen:
Prozess- und praxisorientierte Vorgehensweisen, die ganzheitliches und selbsterfahrungsorientiertes Lernen begünstigen und es ermöglichen, vorhandene Erfahrungen und Kenntnisse mit dem neuen Wissen zu verbinden. Durch systematisch eingesetzte metakommunikative Phasen werden abgelaufene Prozesse reflektiert und bewusst verankert. Ziel dieser Vorgehensweisen ist es, den Dialog über „gefühlte Einsichten“ zu verstehen. Lernort wird in der Regel die Großgruppe sein.

 

Literatur:
Das Buch: Eltern Stärken, Die Dialogische Haltung in Seminar und Beratung, 4. völlig überarbeitete Auflage, 2013, Verlag Barbara Budrich ist Grundlage des Seminars. Weitere Bücher zum Verständnis des Dialogs sind in der Literaturliste des Buches zu finden. Diverse Texte sind unter www.dialogprojekt.de zu finden.

Nach erfolgreichem Kursabschluss erhalten die Teilnehmer_innen ein qualifiziertes Zertifikat.

 

Dialogbegleitung:


JohannesSchopp, Dipl.-Sozialarbeiter, Erwachsenenbildner, Dialogprozess-Begleiter, Autor, Ausbilder von Dialogbegleiter_innen, Musiker

 

Jana Marek, Dipl.-Sozialpädagogin, Erzieherin, Dialogprozess-Begleiterin, Ausbilderin von Dialogbegleiter_innen, Autorin, Praktizierende Kontemplative Tanz- und Körperarbeit

 

Umfang der Fortbildung: 3 Module  (Bildungsurlaub wird beantragt)

Termine:      1. Modul    07.10.-11.10.2019 Akademie am Meer/Sylt
                     2. Modul    24.02.-28.02.2020             Schwerte/NRW
                     3. Modul    29.06.-03.07.2020             Akademie am Meer/Sylt

 

Teilnahmebeitrag: je Modul 450,- EUR

 

Übernachtung und Verpflegung:
Modul 1          :     Akademie am Meer, List/Sylt 310,- EUR (inkl. EZ-Zuschlag und Kurtaxe)
Modul 2 und 3:    Die Preise für 2020 stehen noch nicht fest, orientieren sich aber
                            an dem üblichen Standard in Tagungsstätten.

 

Informationen zu den Fördermöglichkeiten (Bildungsscheck, Bildungsprämie) finden Sie unter: www.bildungspraemie.info


Kostenlose Hotline: 0800-26 23 000

 

Kündigungsregelungen, Ausfallgebühr:
Die Anmeldung ist verbindlich für alle 3 Module. Für mehrmodulige Weiterbildungen gelten besondere Kündigungsregelungen: Die Kündigung muss mindestens 6 Wochen vor Veranstaltungsbeginn in Textform erfolgen. Geht die Absage später als 6 Wochen vor Veranstaltungsbeginn ein, erheben wir eine Ausfallgebühr von 80 % des Gesamtbetrages. Bei einem Rücktritt von 3 Wochen vor Beginn wird der volle Teilnahmebetrag fällig. Ein Rücktritt während der laufenden Kursreihe kann nur durch einen außerordentlichen Kündigungsgrund erfolgen.

 

 

- Ausschreibung als PDF

- Anmeldebogen (PDF)



Kontakt:
Paritätisches Bildungswerk Bundesverband e.V.

Büro Berlin
Oranienburgerstr. 13/14, 10178 Berlin
Telefon 030/24636474
Email fobi@pb-paritaet.de

 


 

 

 

nach oben