"Alle mitnehmen - keiner bleibt zurück"

Impulse aus Finnland zur frühen Förderung von Kindern und Familien

PowerPoint-Präsentation

Kristiina Ikonen
Zentralamt für Unterrichtswesen /Referentin für Schulentwicklung
Berlin 27. November 2007


Das finnische Bildungssystem

Ein zentrales Ziel der finnischen Bildungspolitik ist die Gewährleistung von gleichen Bildungsmöglichkeiten für alle Bürger, unabhängig von Alter, Wohnort, wirtschaftlicher Situation, Geschlecht oder Muttersprache. Alle Schüler haben das Recht auf einen professionellen, qualitativen Unterricht und Beratung sowie Wohlergehen und eine sichere Lernumgebung. Die Lernpflicht beginnt im Alter von sieben Jahren. Jeder Schülerjahrgang durchläuft neun Jahre lang dieselbe Schulart. Die Sekundarstufe II umfasst die allgemeinbildende gymnasiale Oberstufe und die berufsqualifizierende Erstausbildung. Höhere Bildung wird an Hochschulen und Universitäten erteilt. Die 6-jährigen Kinder haben Recht an dem kostenlosen Vorschulunterricht. Die Kommunen sind verpflichtet diesen Unterricht zu veranstalten, die Teilnahme daran ist jedoch freiwillig. Die Kommunen tragen die Verantwortung für die Organisation des Schulwesens. Es gibt eine umfassende kommunale Selbstverwaltung.

Die Regelungsgrundlage für die allgemeinbildende Bildung sind die jeweiligen Gesetze bzw. Verordnungen über den grundlegenden Unterricht und die gymnasiale Oberstufe. Die Vorbereitung der Gesetze und der Regierungsbeschlüsse obliegt dem Unterrichtsministerium. Das Zentralamt für Unterrichtswesen (eine dem Unterrichtsministerium unterstellte Fachbehörde) genehmigt die nationalen Richtlinien für die Lehrpläne (Rahmenlehrpläne). Aufgrund der nationalen Rahmenlehrpläne verfassen die Kommunen die lokalen Lehrpläne. Die Lehrerausbildung für alle Schulstufen erfolgt an den Universitäten. Der Lehrerberuf ist hochgeschätzt.

Der lokale/schulische Lehrplan Zum lokalen/schulischen Lehrplan gehören

Das Lernen erfolgt als eigenständiges zielorientiertes Studium in unterschiedlichen Situationen, unter Anleitung des Lehrers und in Wechselwirkung mit dem Lehrer und den Mitschülern. Die allgemeinen Lernprinzipien sind zwar für alle gleich, doch hängt das Lernen vom früher erworbenen Wissen, der Motivation, den Lern- und Arbeitsmethoden ab. Die Lernumgebung (physische/psychische/soziale) soll das Wachstum und das Lernen der Schüler und die Wechselwirkung zwischen Lehrern und Schülern sowie unter den Schülern fördern. Ziel ist es, durch interessante Herausforderungen und Problemstellungen die Lernmotivation und die Neugierde des Schülers zu fördern sowie seine Aktivität, eigenständiges Handeln und Kreativität zu steigern.

Allgemeine Förderung des Lernens

Allgemeine Förderung des Lernens ist ein natürlicher Bestandteil des Unterrichts. Zur allgemeinen Förderung des Lernens gehören u.a. Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus, Schullaufbahnberatung, Förderunterricht, Schülerbetreuung.

Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus:

Die Schule unterstützt die Erziehung des Kindes und des Jugendlichen und ist als Vertreter der Schulgemeinschaft verantwortlich. Die Schule muss mit den Eltern so zusammenarbeiten, dass diese zur Förderung des Schulbesuches ihres Kindes aktiv beitragen können. Das Ziel der Erziehung in gemeinsamer Verantwortung ist es, die Lernvoraussetzungen, die Geborgenheit und das Wohlbefinden der Kinder und Jugendlichen in der Schule zu fördern. Die Zusammenarbeit umfasst alle Bereiche und wird regelmäßig und in verschiedener Form durchgeführt.

Schullaufbahnberatung:

Alle Lehrer beraten die Schüler zur Aneignung der Unterrichtsinhalte und helfen ihnen, Lernfertigkeiten und -kompetenzen zu erlangen und der Entstehung von Lernschwierigkeiten vorzubeugen. Der Schüler und seine Eltern müssen Zugang zu Informationen über die Arbeitsmethoden im grundlegenden Unterricht, über die Auswahlmöglichkeiten und deren Bedeutung für den Bildungsgang und die Zukunft des Schülers erhalten.

Förderunterricht ist eine Form der Differenzierung, für die die individuelle Gestaltung von Aufgabenstellung, Zeiteinsatz und Beratung charakteristisch sind. Frühes Eingreifen ist wichtig d.h. sofort beim Aufkommen von Lernschwierigkeiten beginnen, damit der Schüler beim Lernstoff nicht ständig im Hintertreffen bleibt. Der Förderunterricht soll so oft und so umfassend organisiert werden, wie es für den Schulerfolg des Schülers zweckmäßigsten ist.

Schülerbetreuung umfasst die Sicherung der Grundvoraussetzungen für das Lernen der Kinder und Jugendlichen und die Betreuung ihres physischen, psychischen sowie sozialen Wohlbefindens. Die Schülerbetreuung bietet gleichzeitig gemeinschaftliche und individuelle Unterstützung. Ziel der Schülerbetreuung ist es, Lernhemmnisse, Lernschwierigkeiten und anderen mit dem Schulbesuch verbundenen Problemen vorzubeugen, diese zu erkennen, zu mildern und möglichst früh abzubauen.

Unterricht für Schüler mit spezifischem Förderbedarf


Dem Schüler wird bei Lernschwierigkeiten mit verschiedenen Fördermethoden geholfen, die sich nach Art und Umfang der Schwächen richten. Im Vordergrund stehen die frühzeitige Erkennung von Lernschwierigkeiten und die Einleitung von Fördermaßnahmen, um negativen Einflüssen der Lernschwierigkeiten auf die weitere Entwicklung des Schülers vorzubeugen. Dabei ist die Kooperation mit den Eltern von Bedeutung. Auf spezifische Förderung sind solche Schüler angewiesen, deren Wachstum, Entwicklung und Lernvoraussetzungen aufgrund einer Behinderung, Krankheit oder defizitären Handlungsfähigkeit geschwächt sind. Sonderpädagogische Unterstützung brauchen auch Schüler, die auf psychische und soziale Förderung angewiesen sind oder deren Entwicklung nach Auffassung der für Unterricht und Schülerfürsorge zuständigen Fachleute sowie der Eltern durch Lernschwierigkeiten verursachende Risikofaktoren beeinträchtigt werden könnte.

Das Bildungsangebot für Migranten in Finnland soll dazu beitragen, dass die Migranten imstande sind, als gleichberechtigte Mitglieder in der finnischen Gesellschaft zu wirken. Die Hintergründe und Ausgangslage der Migrantenschüler werden in dem Unterricht berücksichtigt. Die Schüler erhalten Unterricht in Finnisch als Zweitsprache, Förderunterricht in verschiedenen Fächer und den Möglichkeiten entsprechend Unterricht in der Muttersprache. Die größeren Kommunen bieten auch vorbereitenden Unterricht an. In der Verwirklichung der Integration der Migrantenschüler spielt neben der Sprachförderung das Förder- und Betreuungssystem der Schule eine wichtige Rolle.